Breathwork – Atemarbeit

Atem ist der Träger des Lebens und die Brücke zwischen Geist und Materie. Bereits im Wort Atem steckt die Verbindung zu unserem höchsten inneren Selbst, in Sanskrit: ‚Ātman‘. Bewusste und unbewusste Kräfte verbinden sich über die Atmung so zauberhaft, wie wohl nirgendwo sonst in unserem Körper. Leider kennen noch wenige Menschen das Potential, das eine besondere Steuerung des häufig so unbewusst und selbstverständlich ausgeübten Vorgangs für die Heilung haben kann. Richtig zu atmen kann alleine viele chronisch gewordene Beschwerden auflösen, von denen man niemals annimmt, sie hätten etwas mit dem Atem zu tun gehabt. Aber mit dem Atem hat in unserem Körper eben alles zu tun. Alle Organe werden über die richtige Einatmung mit ausreichend Sauerstoff versorgt. Und durch die Ausatmung verlässt der Kohlenstoffdioxid hoffentlich möglichst vollständig wieder den Körper. Mit der Beschreibung dieses Vorganges kann man Bücher füllen.

Atman
Ātman

Der Atem selbst lebt

Der Atem selbst lebt. Wie sehr erfahren wir zum Beispiel in einer Vipassana Meditation. In der Stille dieser Meditation verstärken Vipassana Atemtechniken den Energiefluss im Körper auf besondere Weise. Aber auch andauernde Intensivierung der Atmung wie bei der Breathwork -Atemarbeit verändert die Selbstwahrnehmung. Unter guten Voraussetzungen tritt der Atmende nach nur wenigen Minuten in ein Bewusstsein, in dem die für die Auflösung von Traumas wichtigen Prozesse (Link) ausgelöst werden. Bewusste und starke Atemarbeit ist ein Schlüssel für nachhaltige emotionale Heilung in veränderten Bewusstseinszuständen ohne jegliche Medikamente.

Die Anzahl der Google-Suchen mit dem Begriff Breathwork ist innerhalb der letzten vier Jahre um fast das fünffache gestiegen. Der Hauptgrund dafür ist: Breathwork funktioniert und immer mehr Menschen bekommen davon etwas mit.

In einem Workshop liegen die Atmenden meist im Kreis nebeneinander auf dem Boden. Jeder wird durch einen Sitter beobachtet, der gerade selbst nicht atmet. Er gibt dem Atmenden Sicherheit. Nur die Atmung ist jetzt für den Teilnehmer wichtig. Und die wird im Rhythmus der Musik immer stärker. Ein höheres Bewusstsein integriert alle darunter liegenden inklusive dem normalen oder besser gesagt, uns so vertrauten ‚Wachbewusstsein‘. Darum weiss man zu jeder Zeit, wo man ist, merkt eventuell aber auch, dass es vielmehr darum geht, einer inneren, körperlichen oder visuellen Spur zu folgen. Sie führt die Teilnehmer oft an Ereignisse zurück, die mit der Geburt in Zusammenhang stehen oder sich vor der Geburt ereignet haben. Es kann aber auch sein, dass sie sich nun gleichzeitig in einem anderen Raum oder einer anderen Person befinden.

Breathwork muss nicht immer so weit gehen. Die Atemarbeit kann auch als eine intensive, viel kürzere Episode in eine Meditation eingebaut werden. Dann verfolgt sie nicht den Anspruch auf eine Trauma-Auflösung, sondern wirkt einfach entlastend auf Nerven- und das Immunsystem.

Und das Risiko?

Ohne das stimmige Set und Setting inklusive dem Vertrauen in die Anbieter des Workshops sowie den eigenen Begleiter findet kein Heilprozess statt. Hier gibt es, anders als bei der stärker äußerlich herbei geführten Veränderung des Bewusstseins über Substanzen, keine Gefahr, dass sich jemand im Prozess verliert und dann auch noch die nötige Hilfe fehlt. Warum ist das Atmen so ungefährlich? Die intensive Atemarbeit kann den inneren Heiler ausreichend bestärken, um die aufgebauten inneren Widerstände und Ängste zu überwinden und und seinen Weg zu gehen – oder eben nicht. Im schlimmsten Fall passiert während einer Session: Nichts. Zumindest dann nichts für den Teilnehmer spürbares. In der Regel jedoch löst die Arbeit Traumatisierungen in ihrem Ursprung auf, die die herkömmliche psychiatrische Verhaltens-Therapien vielleicht nicht einmal sichtbar gemacht hätte.

Schulen und Facilitatoren

Der Mensch ist nur nur wenige Atemzüge entfernt von der Auflösung der Identifikationen, die mit vielen Alltagsproblemen in Zusammenhang stehen. Allein die Erinnerung an die Nähe dieser Verbindung wirkt nachhaltig heilsam. Die starke Popularisierung der Atem-Workshops, zum Beispiel durch Schulen wie Holotropic Breathwork (GTT) und Grof Breathwork – um den Wiederentdecker der Technik Stanislav Grof, durch auch The Alchemy of Breath oder auch Sacred Breath ist gut. Es kann nicht genug Menschen geben, die sich an diese Erfahrung bewusst erinnern können. Die Tatsache, dass man heute innerhalb von zwei Wochen während eines Yoga Retreats in Bali auch Breathwork Facilitator werden kann, spricht diese Popularisierung. Vielleicht wird einmal jeder von dem Heilungspotential des Atems Wissen, sowie fast jeder heute schon einmal von dem Potential von Yoga für die Entspannung (neben vielen anderen..) gehört hat.

Breathwork als Atemarbeit ist etwas natürliches. Dafür braucht es keine Gurus, die Tausende von Dollar für eine zweiwöchige Ausbildung verlangen, noch hunderte Dollar Gebühr pro Atem-Session. Breathwork ist eine innere Arbeit. Die funktioniert sowieso und nur dann, wenn Set und Setting stimmen. Es braucht vor allem Sicherheit und Vertrauen in Facilitatoren, die in ihrer eigenen Stabilität angekommen sind. Sie werden in aufrichtiger Demut die individuelle Heilprozessen der Teilnehmer wo nötig auch mit Hilfe von Körperarbeit unterstützen.