EMDR: Trauma-Auflösung durch Augenbewegungen

Traumatische Erfahrungen können das Leben stark beeinflussen. Auch wenn die zugrunde liegenden Erlebnisse längst vergessen sind, machen sie sich doch nicht selten über Symptome wie Ängste, Depressionen, manchmal sogar Panikzustände und chronischen Schmerzen bemerkbar. Das Trauma ist ein Überleben schützender Reflex, der bei seiner Aktivierung fundamentale Prozesse einfriert. Für unseren Körper gibt es darum kein einfaches Vergessen eines Traumas. Die aus dem Erlebnis und dem sogenannten Freeze resultierende Blockierung hält auch ohne unsere Erinnerung an und behindert eine freie Regulation des ‚emotionalen Gehirns‘ bis zum Lebensende. Sogar, wenn der Vorfall als Ursache bekannt ist, lösen sich die mit der Traumatisierung verbundenen Blockierungen nicht einfach so. Patienten, die sich für die Aufarbeitung entscheiden, machen bei vielen Therapieprogrammen nur langsam Fortschritte. Eine Behandlung kann ausserdem kostspielig und schmerzvoll sein.

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Zu den wirkungsvollen Behandlungsmethoden zählt EMDR. Sie löst tief sitzende traumatische Blockaden über die Bewegungssteuerung der Augen, oft nur innerhalb von einer Sitzung. Die sogenannte ‚Neuro-emotionale Integration durch Augenbewegungen‘ (EMDR = Eye movement desensitization and reprocessing) wurde 1988 von Francine Shapiro entwickelt. Lange hat die Methode jedoch keine Aufmerksamkeit in der psychotherapeutischen Praxis bekommen, u.a. weil die theoretische und wissenschaftliche Begründung für die ganz genaue Funktionsweise fehlt. 

In einer EMDR Sitzung werden die Augenbewegungen synchron von links nach rechts geführt. Der Patient folgt in der Regel mit seinen Blicken der Blickführung durch den Therapeuten. Weitere Stimuli wie das Tippen mit der Hand können hinzukommen. Der Patient wird gebeten, die Bilder des Erlebten wachzurufen oder zumindest die ihn belastenden Gefühle. Wie man unter dem Thomografen feststellen kann, aktiviert die Erinnerung an das traumatische Erlebnis die Amygdala. Die Amygdala ist Teil unseres ‚Reptiliengehirns‘ und spielt eine tragende Rolle bei der Verarbeitung von Erinnerungen, beim Entscheidungen treffen und für emotionale Reaktionen inklusive der Furcht und Aggression. Die Erinnerung aktiviert jedoch parallel auch den ‚Visuellen Kortex‘ als bildgebenden Verarbeitungsapparat (das Sprachzentrum ausgeschaltet).

Der visuelle Kortex wiederum wird mit denen in der Behandlung angeleiteten Augenbewegungen angesprochen, und zwar auf eine ganz besondere Weise. Francine Shapiro hat zur Auflösung der Blockaden über die Augen die Bewegungen nachgestellt, die sich auch im Schlaf während der REM Rapid-Eye-Movement (REM) Phase zeigt.* Der nun aktivierte Kortex gibt die scheinbar über die Amygdala blockierten Emotionen tatsächlich vollständig nach kurzer Zeit frei. Die professionelle Behandlung wird unterstützt von Gesprächen und einer Beobachtung. Es werden keinerlei Medikamente eingesetzt. Der Methode hat einen pseudowissenschaftlichen Stand, weil sich der der Mechanismus der Behandlungsmethode nicht über das heutige medizinische Modell erklären lässt. Schon gar nicht nach manchmal nur einer Behandlung mit der Methode. Trotzdem wird sie von den ersten offiziellen Institutionen wie dem Institute for Health and Care Excellence in Großbritannien empfohlen. Und neben Heilpraktikern setzten bei akuten und schmerzhaften Traumatisierungen (PTSD), auch immer mehr Psychotherapeuten die Behandlung ein.

Wie bei allen anderen Verfahren der effektiven Retraumatisierung hat der Patient oder der Therapeut auch beim EMDR keinen Einfluss auf den Heilungsschritt. Das heisst, der Innere Heiler des Patienten gibt intuitiv richtig den Prozess und damit auch die Reihenfolge bei der Lösung der Traumatisierung vor.

*Die REM Phase ist eine tiefe und aktive Schlafphase. Während noch Neugeborene 50% der Schlafzeit in der REM Phase verbringen, verbringen Erwachsene noch 20% der Zeit in der sie schlafen in dieser Phase. Sie ist die Phase in der wir Träumen.